2016: Das Jahr des mobilen Portemonnaies?

Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie verlassen Ihr Haus mit dem Schlüssel und Ihrem Handy in der Hand. Sie schließen die Tür hinter sich und treten hinaus auf die Straße. Sie treffen sich mit einem guten Freund zum Frühstück, nachdem Sie sich schon seit Wochen darauf gefreut haben. Doch erst als Sie bereits die Hälfte der Strecke zurückgelegt haben realisieren Sie, dass Sie Ihr Portemonnaie vergessen haben.

Glücklicherweise stehen Ihnen jetzt nicht die Scherereien bevor, die dieses Versehen früher zur Folge hatte. Statt sich der Entscheidung stellen zu müssen, zwischen dem Stress, nachhause und wieder zurück zu hetzen und der Enttäuschung, sollten Sie Ihre Frühstücksverabredung verpassen, fahren Sie einfach weiter. Es ist kein Problem, da Sie jetzt, ganz gleich ob Sie online oder in einem Geschäft einkaufen, größtenteils mit Ihrem Mobiltelefon bezahlen – entweder via Apple Pay oder den Konkurrenten von Android oder Samsung. Vielleicht werden Sie tatsächlich auch nie wieder an Ihr Portemonnaie denken müssen.

Vielleicht ist es an der Zeit, einen leichteren, schlankeren Lebensansatz zu verfolgen, wie Gillian Hughes, VP of Corporate Sales der Mobilmarketing-Agentur Veoo ITProPortal erzählte: „Mehr und mehr Kunden legen sich „Mobile Wallets“ zu – und warum auch nicht? Einfachheit und Personalisierung sind heutzutage Kernaspekte, egal wovon, insbesondere wenn Technologie im Spiel ist. Wer würde also die traditionellen Geldbeutel nicht gerne links liegen lassen wollen, die wir für so eine lange Zeit in unsere Gesäß- und Handtaschen gestopft haben, und stattdessen einfach zu unseren Mobiltelefonen greifen?“

„Mobile Wallets erlauben es uns, die Dinge, mit denen wir täglich Umgang haben – Bargeld, Karten, Kassenbons und Gutscheine – auf einem Gerät, ohne das die meisten Menschen niemals das Haus verlassen würden, zusammenzulegen.“ Ganz gleich ob wir über eine Webseite oder in einem Geschäft für Güter bezahlen, die mobile Zahlungstechnologie passt sich den neuen Herausforderungen schnell an.

In Wahrheit sind wir von einer Welt ohne Portemonnaies nicht so weit entfernt, wie man zunächst annehmen mag. Vielleicht können wir sogar auf das Jahr 2016 als das Jahr zurückblicken, indem Plattformen für mobile Zahlungen zum Mainstream wurden. In diesem Jahr haben viele Händler einen Vertrag für Apple Pay abgeschlossen, einschließlich solcher Global Players wie Starbucks und KFC und lokaler Unternehmer wie der Yorkshire Bank im Vereinigten Königreich und Boulanger in Frankreich.

Und dies ist auch das Jahr, in dem die Bedenken der Öffentlichkeit bezüglich der Sicherheit mobiler Zahlungen zurückgingen. Das Konzept des kontaktlosen Zahlens hat sich zum Beispiel insbesondere im Vereinigten Königreich bewährt. Zahlen der UK Cards Association zeigen, dass die Anzahl an Zahlungen, die allein im ersten Quartal 2016 nur durch das Bereithalten einer Karte und ohne die Eingabe einer PIN getätigt wurden, die Gesamtanzahl aus dem Jahr 2015 bei Weitem überstieg. Viele glauben, dass dieser Umstand entscheidend für den Wechsel zu mobilen Zahlungen ist, da er ein Beleg dafür ist, dass Kunden mittlerweile eher bereit sind, Vertrauen in die Technologie zu setzen.

Die Sicherheit von Zahlungen war im Zusammenhang mit Veränderungen bezüglich ihres Ausgabeverhaltens lange ein strittiges Thema unter Kunden. Die derzeit verfügbare Technologie stellt sich dieser Herausforderung jedoch frontal. Tatsächlich sagte Eddy Cue, Apples Senior Vice President of Internet Software and Services im Rahmen der diesjährigen Markteinführung von Apple Pay, Datenschutz und Sicherheit stünden im Mittelpunkt dieser Technologie: „Wenn Sie Apple Pay in einem Geschäft, Restaurant oder bei einem anderen Händler nutzen, werden die Kassierer nicht länger Ihren Namen, Ihre Kreditkartennummer oder Ihre Sicherheits-PIN einsehen können, wodurch das Betrugsrisiko gesenkt wird.“

Pali Bhat, Director of Product Management bei Android Pay, griff diese Empfindung in einem Blogeintrag zur Markteinführung seiner Plattform für mobile Zahlungen im Jahr 2015 auf: „Wir wissen, wie wichtig es ist, Ihre persönlichen und finanziellen Informationen abzusichern, daher wird Android Pay durch die Standard-Tokenisierung der Branche unterstützt. Das bedeutet, dass Ihre tatsächliche Kredit- oder EC-Kartennummer nicht im Zuge Ihrer Zahlung übertragen wird. Stattdessen werden wir eine virtuelle Kontonummer nutzen, die eine zusätzliche Sicherheitsebene einbringt.“

Diese aufeinander abgestimmten Bemühungen der Betreiber von Zahlungsplattformen tragen ohne Zweifel dazu bei, dass das Blatt sich wendet. PwC sagt voraus, dass mobile Zahlungen im Jahr 2019 einen Wert von 142 Milliarden US-Dollar erreichen werden, von einem Wert von 52 Milliarden im Jahr 2014 ausgehend – eine Kennzahl, die nicht nur die Zahlungen für Güter im Geschäft mithilfe eines Mobiltelefons einbezieht, sondern auch die Zahlungen für Online-Einkäufe. Dieses Wachstum bietet Unternehmen ein ungeheures Potenzial für den Aufbau engerer Beziehungen zu ihrem Kundenstamm, während es das Kauferlebnis der Kunden um ein ganz neues Niveau der Einfachheit ergänzt. Und abgesehen von den Vorteilen bezüglich der Sicherheit bei der Nutzung Ihres Mobiltelefons für Zahlungen, steht die Technologie in direktem Zusammenhang mit Kundenloyalität.

Bis heute waren Treueprogramme darauf angewiesen, dass Teilnehmer die hierfür vorgesehenen Karten nutzten, um ausmachen zu können, wo und wann sie Ausgaben tätigten. Für den Kunden bedeutet das oftmals, zwei verschiedene Karten aus seinem Portemonnaie hervorholen zu müssen: eine für die Bezahlung und eine für die Treuepunkte. Sind sie jedoch in Eile und wartet eine Menschenschlange hinter ihnen an der Kasse, kann ein starker Drang entstehen, so schnell wie möglich zu bezahlen. Die Treuepunkte werden vergessen. Online kann eine ähnlich unzusammenhängende Erfahrung entstehen.

Werden jedoch beide Prozesse miteinander kombiniert, wird alles auf einmal viel bequemer. Doch wenn mobile Zahlungen mittlerweile zum Mainstream zählen, warum machen Unternehmen nicht mehr aus mobiler Loyalität und Bonusprogrammen? Diese Frage stellte der Customer Experience Writer von Forbes, Blake Morgan. „Mobile Zahlung ist eine große Chance, den Kunden kennenzulernen, mit ihm zu interagieren und ihn durch persönliche Angebote in Echtzeit für sich zu gewinnen“, schreibt sie.

Hierin liegt demnach das Potenzial für Unternehmen. Wie Frederick Reichheld und Phil Schefter im Harvard Business Review schreiben, „ist das Internet, entgegen der allgemeinen Ansicht, Web-Kunden wären von Natur aus wankelmütig und würden sich in Scharen der nächstbesten Idee zuwenden, sowohl in der B2C- wie auch in der B2B-Sphäre tatsächlich ein stark haftender Raum.“

Die Loyalitätsexperten suggerieren, dass eine Zunahme der Kundenbindungsrate um 5 Prozent die Erträge um 25 bis 95 Prozent steigert und dass es klug wäre, sich des Potenzials anzunehmen,  das Technologie uns bietet. Reichheld und Schefter fügen außerdem hinzu, dass „die meisten der heutigen Online-Kunden eine deutliche Neigung zur Loyalität zeigen und dass Internettechnologien, sofern richtig eingesetzt, diese inhärente Loyalität bestärken.“

Angesichts der Tatsache, dass wiederholte Käufe und Kundenloyalität für die meisten Unternehmen den Heiligen Gral darstellen, muss das Erforschen der durch die mobile Zahlung gebotenen Chancen in den Fokus gerückt werden, noch während sie mehr und mehr zum Mainstream wird. Für uns als Individuen könnte der Übergang zu einem vereinheitlichten Ansatz, bei dem wir nur ein Mittel oder Gerät zur Zahlung benötigen – ganz gleich ob für Online- oder persönliche Einkäufe –, die Reibung in vielen Bereichen unseres Lebens reduzieren. Und für Unternehmen bietet die Zunahme an Möglichkeiten für mobile Zahlungen einen noch leichteren Weg, Kunden einzubinden, wodurch schlussendlich das Unternehmenswachstum vorangetrieben wird.